





| Langjährigen Rauchern Blasenkrebs-Screening als IGeL anbieten |
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Dr. Gerson Lüdecke, Urologe an der Universitätsklinik Gießen, tritt seit Jahren dafür ein, asymptomatische Risikopersonen frühzeitig auf Blasenkrebs zu untersuchen. „Vor allem Frauen mit Blasenkrebs werden oftmals sehr spät diagnostiziert. Jede Dritte leidet dann bereits unter einem invasiven Tumor, und zwei Drittel dieser Patientinnen sterben dann innerhalb von drei Jahren“, so Lüdecke. Dagegen sind die Heilungschancen des Harnblasenkarzinoms bei früher Diagnose heutzutage gut bis sehr gut. Lüdecke empfiehlt, langjährigen Raucherinnen und Rauchern sowie Personen mit beruflichem Risiko eine nicht-invasive Blasenkrebsvorsorge als IGeL anzubieten. Für die Früherkennung von Blasenkrebs stehen in Deutschland mit dem NMP22 und dem BTA-Stat-Test zwei einfache Point-of-Care-Assays zur Verfügung, deren Durchführung und Auswertung direkt in der Praxis erfolgen kann. Der NMP22-Test weist das tumorspezifische nukleäre Matrixprotein 22 nach. Der Test ist von der FDA (Food and Drug Administration) der USA für die Primärdiagnostik, das Screening von Risikopersonen und für das Monitoring von Blasenkrebspatienten zugelassen. Ein großer Pluspunkt des NMP22-Tests ist seine Zuverlässigkeit auch bei Hämaturie. Dieses Kardinalsymptom für das Harnblasenkarzinom führt beim BTA-Stat-Test oft zu falsch positiven Ergebnissen. Das zeigte eine experimentelle Studie, die Tübinger Urologen im September 2009 auf dem 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden präsentierten. BTA-Stat weist ein dem Komplement H ähnliches Protein nach, welches auch Bestandteil des Serums ist, und erhielt bisher nicht die FDA-Zulassung für das Screening von Risikopersonen. „Sowohl der NMP22-Test wie auch der BTA-Stat zeigen eine Spezifität von 80 bis 96 Prozent unter Berücksichtigung der Ausschlusskriterien und sie haben eine bessere Sensitivität, als der PAP-Test zum Nachweis eines Zervixkarzinoms. Es ist daher unverständlich, dass die Blasenkrebs-Früherkennung noch so vernachlässigt wird“, kritisiert Lüdecke. „Die Vorsorge des Harnblasenkarzinoms bei Risikopatienten lässt sich ohne großen Aufwand als IGeL-Leistung in der Praxis umsetzen.“ Die Risikofaktoren des Harnblasenkarzinoms sind gut bekannt. Gerson Lüdecke konnte daher in einem mehrjährigen Validierungsprozess den RisikoCheck Blasenkrebs im Internet entwickeln. Unter der Adresse http://riskcheck-bladder-cancer.info steht dieses Instrument als Open Access Tool jedem zur Verfügung. Für Ärzte, die sich zur Nutzung anmelden, bietet der Fragebogen die Ermittlung des persönlichen Risikos der Patienten mit Speicherung der Daten zur Verlaufskontrolle und epidemiologischen Grundlagenforschung. Die erzielten Ergebnisse können als Informationsbroschüre per Ausdruck von den Ärzten zur Beratung ihren Patientinnen und Patienten über das individuelle Blasenkrebsrisiko verwendet werden und stellen die Rationale zum risiko-adaptierten Screening mit abgestufter Intensität der Diagnostik beim Harnblasenkarzinom dar.
Quelle: Matritech
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